ESS-BRECHSUCHT (BULIMIE)

"Die heimliche Sucht, unheimlich zu essen"

Was ist Bulimie oder Ess-Brechsucht?
Bulimie bedeutet, dass Menschen große bis riesige Nahrungsmengen zu sich nehmen (so genannte Fressattacke), um dann mit Hungern, Erbrechen, Medikamenten oder Sport die aufgenommenen Kalorien wieder loszuwerden. Das Gewicht ist dabei meist im normalen Bereich. Die Ess-Brechattacken (so genannte Fress-Kotzattacken) kommen anfangs nur vereinzelt vor, mit der Zeit aber immer häufiger, bis zu mehrmals täglich. Sie haben suchtartigen Charakter. Das heißt, sie nehmen an Ausmaß und Häufigkeit zu und entziehen sich immer mehr der Kontrolle. Dabei besteht eine extreme Angst vor der Gewichtszunahme. Der eigene Körper wird abgelehnt oder gar verachtet, weil er den Vorstellungen von einem Idealkörper nicht entspricht.

Was steht hinter bulimischem Verhalten?
Bulimisches Verhalten ist ein Ausdruck von fehlender Selbstannahme und einem instabilen (unsicheren oder unklaren) Selbstgefühl. Menschen mit Bulimie haben oft zwei Gesichter: Auf der einen Seite die immer Fröhliche, die alles schafft, was sie will, und die von vielen bewundert wird, auf der anderen Seite die Unsichere, Deprimierte, zutiefst an sich Zweifelnde und über sich Verzweifelnde. Aus diesem inneren Konflikt heraus bauen Menschen mit Bulimie ihr Selbstwertgefühl mehr über Leistung und Anerkennung auf, anstatt über die Erfüllung ihrer psychischen Bedürfnisse, die sie meist als "Schwäche" abtun. Die fehlende innere Zufriedenheit wird schließlich ersetzt durch die dauernde Beschäftigung mit Gewicht, Körper, Essen und Essen-Wieder-Loswerden.

Welchen Sinn hat das Ess-Brechverhalten?
Die Ess-Brechattacken haben einen tieferen Sinn: Sie helfen vorübergehend, alltäglichen Problemen aus dem Weg zu gehen und sich nicht mit unangenehmen Gefühlen auseinandersetzen zu müssen, sie bauen innere Spannung ab, regulieren das Gewicht, befriedigen scheinbar psychische Bedürfnisse, verstärken das Selbstgefühl und bilden für viele einen wesentlichen Lebensinhalt.

Warum wird dieses Verhalten irgendwann sinnlos?
Das Ess-Brech-Verhalten erfüllt nicht die wirklichen Bedürfnisse der Persönlichkeit, sondern ist eine Ersatzbefriedigung. Wie jedes Suchtverhalten nimmt es immer mehr zu und macht die Betroffenen mit der Zeit hilflos und abhängig.Im Gegensatz zu Magersucht sieht man Menschen mit Bulimie ihre Krankheit selten an. Sie sind meist normalgewichtig, haben ein gutes soziales Netz und leisten oft sehr viel. Gleichzeitig beherrscht im Verborgenen die Bulimie das Leben. Dieses Doppelleben ist äußerst anstrengend, zeitintensiv und macht innerlich einsam.

Wie verändert bulimisches Verhalten einen Menschen?
Die Bulimie verändert die Persönlichkeit. Man wird reizbar, niemand kann es einem recht machen, die Gedankengänge verlieren immer mehr ihren Wirklichkeitsbezug ("Wenn ich ein Stückchen Schokolade esse, gehe ich auf wie eine Dampfnudel"). Das Denken funktioniert nach dem Alles-oder-Nichts-Gesetz ("Wenn ich in der Prüfung keine 1 habe, bin ich eine Versagerin".) Die suchtartige Abhängigkeit vom Ess-Brechverhalten schwächt immer mehr das Selbstwertgefühl und führt zu einer tiefen inneren Unzufriedenheit.

Wie wirkt sich die Bulimie auf den Körper aus?

  • Die Haut wird trocken, die Haare fallen aus und werden trocken und dünn.
  • Die Zähne werden durch die Magensäure beim Erbrechen kariös (sie bekommen Löcher).
  • Durch Hormonstörungen bleibt häufig die Monatsblutung aus (Amenorrhoe).
  • Durch die vermehrte Speichelproduktion können sich die Ohrspeicheldrüsen entzünden und anschwellen.
  • Die Speiseröhre kann sich durch den sauren, erbrochenen Speisebrei entzünden.
  • Es kann infolge großer Nahrungsmengen zu Magenausweitung oder Rissen kommen.
  • Abführmittelmissbrauch kann zu Darmlähmungen, Darmverschluss und Rissen im Darm führen.
  • Der Druck beim Erbrechen kann kleine oder große Blutgefässe zum Platzen bringen.
  • Beim Erbrechen gehen wichtige Mineralien verloren. Es kommt zu Elektrolytstörungen. Lebensgefährlich kann der Kaliumverlust sein, da Kalium den Herzrhythmus mitreguliert.
  • Das Blutbild verändert sich.
  • Ca.10% sterben an den Folgen der Bulimie.