„NUR WENN LAUFEN, DANN AUCH ESSEN...!!!“

Meine Krankheit begann lange, bevor ich sie selbst als solche hätte erkennen oder gar benennen können. Ich habe viele Jahre meines Lebens damit verbracht, nachzurechnen, welche Mahlzeit, die ich zu mir genommen habe, wie viele Kalorien hat und wie ich diese möglichst reduzieren könnte. Dies war zwar ein unangenehmer, aber erträglicher Zustand, mit dem ich manchmal besser, manchmal weniger gut klar kam, irgendwie überwog die Lust am Essen aber eigentlich immer.

Fatal wurde die Situation für mich jedoch, als ich anfing, Sport zu treiben, genauer gesagt zu Laufen. Nach kurzer Zeit schon begann ich, Laufen und Essen zueinander in Beziehung zu setzen, was für mich bedeutete: „nur wenn laufen, dann auch essen“. Ich setzte mich unter Druck, dass jede eingenommene Kalorie, möglichst sofort wieder „abgelaufen“ werden musste. So verbrachte ich meine Tage damit, anhand von Kalorientabellen auszurechnen, wie viele Kalorien ich zu mir genommen und wie lange ich dafür zu laufen hatte, und ich begann, immer noch ein paar Kilometer „dranzuhängen“. Schließlich musste der Effekt Gewichtsverlust ja auch zum Tragen kommen („weit weniger essen, wesentlich mehr laufen!“).
Da ich ganztags berufstätig war, gestaltete es sich oft schwierig, diese täglichen Laufeinheiten in meinen Tag einzubauen. Mein Druck wurde immer größer. Ich war nach zwei Jahren an einem Punkt angelangt, an dem es für mich nichts mehr gab außer Kalorientabellen, Laufschuhen, einer stark frequentierten Waage, einem immerwährenden Hungergefühl und Druck, Druck, Druck. Für soziale Kontakte gab es sowohl im täglichen Zeitplan als auch in meinem Kopf keine Kapazitäten mehr.Ich konnte mich auf Gespräche und Personen nicht mehr richtig einlassen, da ich nebenher immer noch rechnen und planen musste.
Ich wollte und konnte vor allem so nicht mehr leben. Und so traf ich eine meiner bisher besten Entscheidungen:

Ich begann eine Therapie!

Endlich war ich an einem Ort angekommen, an dem ich das Gefühl hatte, all die verworrenen Dinge, die sich da in mir, in meinem Kopf, abspielten, aussprechen zu können und auch verstanden zu werden. Da saß mir jemand gegenüber, die sich in diese Welt hineindenken konnte und die mir Stück für Stück ganz individuell auf meine Bedürfnisse abgestimmt den Weg aus diesem Teufelskreis heraus wies. Dank dieser Therapie ist es mir gelungen, meine Ess-Störung zu überwinden. Ich habe unter anderem gelernt, meine eigenen Grenzen zu erkennen, zu respektieren und sie in positiver Weise anzunehmen, was mir mein Leben sehr erleichtert. Doch gibt es auch manchmal Phasen, in denen ich Gefahr laufe, wieder in alte Verhaltensmuster zurück zu fallen. Heute bin ich jedoch in der Lage, das zu erkennen und mir dann die in der Therapie gelernten „Gegenmaßnahmen“ herzuholen, was mir meist auch gelingt. Und für die Situationen in denen ich das (noch) nicht schaffe, habe ich noch immer meine Therapeutin, die mich dann für eine Weile begleitet, bis ich in der Lage bin, selber wieder weiter zu gehen.

Abschließend kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, mich für diese Therapie entschieden zu haben. Ich hatte das große Glück, eine Therapeutin zu finden, deren unkonventionelles Konzept es mir ermöglicht hat, heute wieder ein Leben „in Freiheit“ führen zu können.

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