Und hier ein paar Hilfen zum...

... Umgang mit einer essgestörten Schülerin

  1. Sprechen Sie die Schülerin nicht direkt in einer kritischen Situation an, sondern bitten Sie sie am nächsten oder übernächsten Tag zu einem Gespräch in einem geschützten Rahmen.
  2. Führen Sie ein wertungsfreies, verständnisvolles, ernst nehmendes Gespräch mit einem klaren und konkreten Angebot zur weiteren Unterstützung in einem geschützten Rahmen.
  3. Weisen Sie die Schülerin schon im ersten Gespräch auf regionale Hilfsangebote hin, die Sie den gelben Seiten oder dem kommunalen Suchtberatungsführer entnehmen können.
  4. Vereinbaren Sie nach einem weiterführenden Beratungs- oder Therapievorgespräch unbedingt ein Nachgespräch, um zu erfahren, wie die Schülerin weiter mit der Problematik umgeht und bleiben sie in Abständen von mehreren Wochen weiter im Gesprächskontakt mit der Schülerin. Sie fühlt sich dadurch ernst genommen, gesehen und unterstützt.
  5. Halten Sie Ihre eigene Meinung zu der Essstörung und persönliche Emotionen zurück. Die Schülerin fühlt sich sonst unter Druck, es Ihnen recht machen oder für Sie zu sorgen zu müssen und geht damit in ein kontraproduktives Rollenverhalten.
  6. Informieren Sie die Klasse oder andere Bezugspersonen nur nach Aufklärung der Schülerin und nie gegen deren Wunsch. Sie verlieren sonst ihr Vertrauen.
  7. Suchen Sie eventuell für und mit der Betroffenen eine Schülerpatin zur weiteren Unterstützung.
  8. Wenn drei bis vier Gespräche mit der Schülerin nicht dazu führen, dass sie sich professionelle Hilfe holt, kündigen Sie ein Elterngespräch an. Lassen Sie die Schülerin dabei wissen, dass sie verstehen, wie schwer das für sie ist, dass sie aber als Lehrer in einer Mitverantwortung für ihre Gesundheit stehen und wegen ihrer fehlenden Kooperationsbereitschaft an Ihre Grenzen stoßen.
  9. Entscheidend für die Nachhaltigkeit der Gespräche und für die Glaubwürdigkeit Ihres Hilfsangebots der Schülerin gegenüber ist das konsequente Einhalten aller angekündigten Schritte. Unter Umständen wartet die Schülerin nur darauf, dass die Angelegenheit versandet, oder aber sie ist enttäuscht von Ihnen, wenn Sie nicht dranbleiben.
  10. Ermöglichen Sie einer magersüchtigen Schülerin während mehrstündiger Arbeiten Zwischenmahlzeiten, zuckerhaltige Getränke und eventuell eine warme Decke. Ohne ein ausdrückliches Angebot von Ihrer Seite wird sie aus Gründen der Anpassung und weil es ihr peinlich wäre nicht ausreichend für sich sorgen und schränkt sich damit eventuell in ihrer Leistungsfähigkeit ein.
  11. Befreien Sie eine magersüchtige oder bewegungssüchtige Schülerin vom Sport. Wenn Sie sich unsicher sind, ab welchem Gewicht das sinnvoll ist, informieren Sie sich z.B. bei Durch Dick und Dünn.
  12. Fordern Sie eine essgestörte Schülerin nicht zu noch mehr Leistung auf sondern dämpfen Sie eher ihre Leistungsbereitschaft und ihren Perfektionismus. Sie sind sonst in einem Co-Verhalten, das heißt, dass Sie ihre Problematik unterstützen oder verstärken.
  13. Führen Sie im Landschulheim: tägliche Lagebesprechungen mit der essgestörten Schülerin durch. Stellen Sie je nach gesundheitlicher Situation vor einem Landschulaufenthalt klar, dass sie nur mitgehen kann, wenn sie in der Zeit auf ihr essgestörtes Verhalten (Hungern, Kotzen) verzichten kann. Sorgen Sie für die Zeit des Aufenthalts eventuell in Absprache mit der Schülerin für eine Esspatin.
  14. Informieren Sie sich auf dieser website über krankheitserhaltende Verhaltensweisen (Co-Verhalten) und ersetzen Sie diese durch hilfreiche Verhaltensweisen.
  15. Versuchen Sie, die Grenzen Ihrer Kompetenz und Hilfsmöglichkeit herauszufinden und gegebenenfalls auf weiterführende Hilfsangebote weiterzuverweisen.
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